Sind #CoronaEltern die schlechteren Eltern?
Familie,  Karriere,  Mama

#CoronaEltern – Warum wir unseren Kindern keinen Gefallen tun

Es ist jetzt einfach an der Zeit, unserem und speziell meinem Ärger Luft zu machen. Aber noch bevor ich den ersten Absatz dieses Beitrags geschrieben habe, weiß ich, dass die folgenden Zeilen nicht bei allen Eltern Zustimmung finden werden. Manche würden mich wohl viel lieber an den Pranger stellen.

Ein typischer Tag nach 12 Wochen zu Hause

Ich komme am Dienstag Abend nach Hause. Papa ist heute mit der Kinderbetreuung an der Reihe. Er ist am Ende, frustriert, deprimiert und ziemlich stinkesauer über die Hilflosigkeit, der wir gegenüber stehen.

Da ich noch relativ entspannt bin, bringe ich die Kinder zu Bett. So gelassen, wie ich gerade bin, können die mich gar nicht auf die Palme bringen.

Wer Kinder hat, der weiß: Das geht trotzdem.

Sie provozieren mit jeder ihrer Handlungen. Sie wissen genau, wo sie mich treffen können. Ich sollte es wahrscheinlich nicht mal persönlich nehmen. Ihre Aggression ist nicht gegen mich gerichtet.

Sie wollen einfach nicht mehr.

Sie wollen ihre Freunde sehen. Sie möchten wieder auch mal ohne Mama oder Papa unterwegs sein und was machen. Sie wollen nicht mehr mit uns spielen. Sie wollen sich auch gegenseitig nicht mehr als Spielpartner haben.

Es reicht ihnen!

Dass wir persönlich schon seit 7. Februar die Zeit fast ausschließlich als Familie verbringen, dafür kann niemand was. Erst der Urlaub und dann die gesamte Familie krank. Wer weiß, was wir damals aus den USA mitgebracht haben? Als wir wieder fit waren, ging es nahtlos in die Ausgangssperre über.

Der größte Wunsch unseres 6-Jährigen ist, endlich wieder mit seinen Freunden im Kindergarten zu spielen.

Zu Hause = Eltern-Overkill

Seit 12 Wochen verlassen die Kinder das Haus nur noch kurz. Mal eine kleine Radtour oder eine Wanderung. Zum Glück leben wir auf dem Land und haben ein eigenes Haus und Garten. Wir können und wollen uns gar nicht vorstellen, was die Situation für Familien in der Stadt bedeutet.

Trotzdem, es reicht ihnen. Sie wollen auch mal jemand anderen sehen als nur die Eltern. Irgendwann sind alle Spiele durchgespielt und auch eine Runde Uno im Wohnwagen in der Einfahrt ist nicht mehr reizvoll.

…vielleicht wäre die Runde Uno im Womo reizvoller, wenn der Camper am Meer stehen würde – so wie hier am Bondi Beach in Sydney.

Da wir glücklicherweise noch zwei Kindergartenkinder haben, ist das Thema HomeSchooling für uns noch kein Thema. Was bin ich darüber froh.

Mein tiefes Mitgefühl gilt den Eltern vor allem von Grundschülern, die damit nun auch noch kämpfen.

In der Schule, die wir ab dem neuen Schuljahr besuchen dürfen (ich bin noch optimistisch, dass das Schuljahr beginnt), habe ich allerdings auch Einblicke und unterstütze die ehrenamtliche Schulleitung. Dadurch sehe ich auch den großen Spagat, den Lehrer und Eltern gerade leisten müssen. Ein schier unmögliches Unterfangen.

Sind #coronaeltern die schlechteren Eltern?

Die Frage stelle ich mir natürlich regelmäßig. Liegt es an uns, dass unsere Kinder die Nase voll haben? Bemühen wir uns nicht mehr genug? Ich weiß es nicht. Aber ich glaube nicht.

Egal ob Mama oder Papa mit Kinderbetreuung dran ist (wir wechslen täglich), wir überlegen uns, was wir mit den Kindern gemeinsam machen. Es gibt nach dem Frühstück gemeinsame Zeit. Anschließend ist „Zimmerzeit“ und dann wieder Familienzeit.

Die „Zimmerzeit“ entstand aus verschiedenen Gründen. Wir wollten zum einen mal die Kinder auseinander bringen, so dass jeder Zeit für sich allein hat. Zum anderen gibt uns das wenigstens eine oder eineinhalb Stunden am Tag, an denen wir wichtige Themen abarbeiten oder Telefonate führen können – so die Theorie. In der Praxis tanzt natürlich trotzdem mehrmals jemand ins Büro. Aber das ist ok. Immerhin bekam der Tag dadurch etwas mehr Struktur und die Kinder konnten sich auf einen gewohnten Ablauf einstellen. Das tut allen gut.

Zurück zur Frage, sind #coronaeltern die schlechteren Eltern?

Sind wir zu sehr auf unsere Arbeit fixiert und können die „Auszeit“ mit den Kindern nicht genießen?

Vielleicht? Vielleicht ist das der Grund. Ich habe meine eigene kleine Datenbeschützerin GmbH, beschäftige Mitarbeiter und möchte die Krise ohne Entlassungen und Insolvenz überstehen. Ich mache meine Arbeit gern, mir macht sie Spaß. Normalerweise 4 halbe Tage die Woche, einen Tag ganz und oft noch abends, wenn die Kids im Bett sind. Jetzt hab ich die Zeiten extrem reduziert. Aber soll ich das jetzt komplett hinschmeißen und zusehen, wie das Geschäft den Bach runter geht, um NUR NOCH die Kinder zu betreuen?

Der Papa ist Führungskraft in seiner Firma und hat sein Team. Auch er kann nicht einfach verschwinden.

Wenn ich noch einmal das Wort „Entschleunigung“ höre ….

Zu Anfang hieß es oft „Entschleunigung“ – wir sollen die Zeit mit der Familie genießen. Wenn ich noch einmal das Wort Entschleunigung höre, dann hab ich mich nicht mehr unter Kontrolle. Unser Leben war vorher relativ entschleunigt. Wir sind gut organisiert und hatten unser Leben gut im Griff und viel Zeit mit den Kindern.

Die Zeit jetzt ist purer Stress für uns. Also von Entschleunigung weit entfernt. Wer also diese klugen Sätze spricht, hatte wohl vorher sein Leben nicht im Griff. Denn wie sonst müsste er oder sie nach einem ruhigeren Leben streben und auf „Entschleunigung“ warten?

Unsere Kinder sind im „normalen Leben“ halbtags im Kindergarten. Den Rest betreuen wir Eltern sie ausschließlich selbst. Das ist gut so, wir genießen die gemeinsame Zeit und sind auch viel auf Reisen und haben damit komplette gemeinsame Auszeiten (warum wohl auch sonst ein Reiseblog?). Für mich ist dieses Leben entschleunigt. Ich bin zufrieden damit – das höchste Gut, das man im Leben erreichen kann.

Setzen wir trotzdem die falschen Prioritäten?

Sollten wir gerade jetzt die Zeit noch mehr unseren Kindern widmen und den Rest zurück stellen? Es gibt ja Corona-Elterngeld oder Kurzarbeit zum Kinderbetreuen. Dann ist ja alles easy, oder?

Aber das hält meine Firma nicht am Laufen und führt auch nicht die Projekt meines Mannes.

Es macht aber schon gar nicht die Kinder glücklich, die ihre Freunde vermissen.

Auswirkungen auf die Psyche der Kinder

Die Beiträge und Meldungen von Psychologen und Kinderärzten häufen sich in den letzten Wochen. Der Zusammenhang von Quarantäne und Auswirkungen auf die Kinderpsyche wurde sogar schon 2013 zu Zeiten der Schweinegrippe erfasst.

Grundsätzlich bin ich nicht der Typ, der gleich bei jeder Kleinigkeit an psychologische Auswirkungen denkt. Ich bin auch der Meinung, dass eine gute Betreuung durch die Familie das ganze Szenario minimiert.

Aber irgendwann ist es einfach genug! Ich kann 10x fragen, wollen wir was spielen, was basteln, nach draußen gehen? Wenn allerdings nur noch ein deprimiertes „Nein“ zurück kommt und kaum Emotionen ersichtlich sind, mache ich mir ernsthaft Gedanken um die Kinder.

So schön es auch gemeinsam ist, manchmal braucht einfach jeder seinen Freiraum.

Ist die Notbetreuung für Kinder eine Alternative?

Ich bin mir ehrlich gesagt gar nicht mal so sicher. Im Kindergarten gibt es Gruppen je 5 Kinder. Das heißt, unsere beiden und drei andere in einer Gruppe. Wenn die andern nicht zufällig ihre lieben Freunde sind (bei einem großen Kindergarten nicht ganz unwahrschlich), muss ich sie dann täglich in die Kita zwingen?

Also auch nur bedingt der richtige Ansatz.

Der nächste Einwand:

„Regina, dir kann man es aber auch gar nicht recht machen.“

Ja, vielleicht ist das das Problem. Vielleicht wurde die optimale Lösung unter den gegebenen Umständen noch nicht gefunden.

Die Pessimisten sagen jetzt, dass es diese optimale Lösung auch nicht gibt. Das glaube ich nicht! Wir können besseres bieten und trotzdem auf die Krankheit Rücksicht nehmen.

Update 17.05.2020

Wie schon eingangs geschrieben, ist mir klar, dass der Beitrag polarisiert. Was ist schade finde ist die Spaltung, die die Corona Umstände mit uns Eltern machen.

Eltern verurteilen plötzlich andere Familien. Es gibt nur noch schwarz und weiß. Die Eltern, die nie, aber auch wirklich nie mit der Situation überfordert sind. Wortwörtlich heißt es in einem anderen Beitrag „Sind 60 Tage Kinder eine Belastung?“. Warum frag ich mich, gibt es nur noch diese beiden Sichtweisen. Die Familien, bei denen nach wie vor alles rosig ist und die anderen, die nicht in der Lage sind, selbst auf ihre Kinder aufzupassen?

Das schmerzt mich persönlich tatsächlich sehr.

Medien vs. Kinderbetreuung

Auch das möchte ich noch ergänzen. Wir stehen nach wie vor hinter unseren Prinzipien, dass Medien wie Fernseher und Tablet nicht zum Alltag gehören.

In vielen Familien ist das normal. Die Kinder sitzen am Tablet oder sehen fern. Damit hab ich kein Problem, wenn das anderswo so läuft. Bei uns ist es aber nicht so. Medien gibt’s selten, manchmal auch eine Woche gar nicht.

Dass wir uns als Eltern mit der Medienzeit natürlich auch gewisse „Frei-“ oder „Arbeitsräume“ verschaffen ist mir bewusst. Dass es auch manchmal der einfachere Weg ist, ist definitiv so.

Vielleicht machen wir uns aber auch das Leben selbst schwer, indem wir nicht einfach in Zeiten von Corona-Quarantäne den Medienkonsum der Kinder erhöhen.

Wo ist die Perspektive für #coronaeltern?

Immer wieder wird mir seit Wochen bewusst, dass Eltern von (kleinen) Kindern keine Lobby haben. Über Kindergärten und Grundschulen wurde lange nicht mal diskutiert. Wortwörtlich hieß es lange, „darüber brauchen wir noch gar nicht sprechen.“ Die Wertschätzung, die man der Zielgruppe gegenüber bringt, ist nicht vorhanden.

Die „Studien“ legen verschiedene Ergebnisse vor, ob Kinder ein Virenherd sind oder vielleicht doch sogar als ungefährlich in der Infektionskette gelten. Keiner sieht sich genötigt, der Sache auf den Grund zu gehen.

Die KITAS in ganz Europa wurden komplett unterschiedlich gehandhabt. Die Regelung, die bei uns gilt, mit maximal 5 Kindern pro Gruppe, hab ich sonst nirgendwo gelesen. Aber wird sich ausgetauscht, werden Ergebnisse und Statistiken abgeleitet? Das ist einfach nur frustrierend. Anders kann ich es nicht beschreiben.

Wann und wie geht es weiter?

Es fehlt einfach der Ausblick. Geht es noch zwei Wochen so weiter oder doch bis zu den Sommerferien (die bei uns in Bayern ja erst im August starten)? Was ist dann? Ist dann das Leben wieder in Ordnung? Kann unser Schulanfänger die Schule beginnen?

Mir kommen die Tränen, wenn ich daran denke, unter welchen Umständen er vielleicht seine Schullaufbahn beginnen muss. Klar, jetzt kommen gleich die gehobenen Zeigefinger. Wo sei den mein Problem? Andere Leute bangen um ihr Leben und ich mach mir Gedanken, dass mein Kind einen komplett verkorksten Schulstart bekommt.

Ja, in der Tat, darüber mache ich mir Gedanken.

Was können wir als #coronaeltern tun?

Alles Jammern hilft nichts. Wir müssen uns schon selbst darum kümmern, dass unsere Stimme gehört wird! Wir sind für uns selbst verantwortlich!

Hinterfragen und nicht alles einfach hinnehmen

Gleich mal vorweg. Im Allgemeinen bin ich mit dem Weg, den unsere Politik zu Anfang der Pandemie gefahren hat, ganz zufrieden. In Deutschland sind wir diesbezüglich in einer sehr komfortablen Situation.

Ob allerdings alle Maßnahmen über die Zeit gesehen noch weiter so Bestand haben müssen, wage ich zu bezweifeln. Auch im wirtschaftlichen Bereich sehe ich die aktuellen Maßnahmen als äußerst kritisch. Ich bin in regelmäßigen und gutem Kontakt mit vielen Geschäftsführern mittelständischer Unternehmen. Hier wird viel und kontrovers diskutiert und – was ich am meisten schätze – auch kritisch hinterfragt.

Genau das sollten wir als #coronaeltern auch machen.

Kritisch die Politik zu hinterfragen ist nicht falsch. Es ist die Aufgabe einer Demokratie. Kritisch zu hinterfragen heißt für mich nicht, alles als schlecht darzustellen. Das möchte ich auf keinen Fall so darstellen.

Aber wir müssen für unsere Interessen einstehen und auch mal den Mund aufmachen. Nur so können wir etwas bewirken. Und am wichtigsten … wir müssen es gemeinsam machen!

Aufruf an alle #coronaeltern

Hinterfragst du getroffene Maßnahmen kritisch und konstruktiv?

Teile deine Meinung!

Wir müssen uns zu einer lauten Stimme zusammen schließen!

Teile diesen Beitrag und schreibe deinen Kommentar dazu. Hast du einen Beitrag, der dasselbe Thema betrifft? Dann schicke ihn mir. Gerne teile ich ihn an dieser Stelle.

Macht konstruktive Vorschläge, wie wir gemeinsam im Sinne unserer Kinder die Situation in absehbarer Zeit wieder in die richtigen Wege bringen!

Sind #CoronaEltern die schlechteren Eltern?
Pin it!

Weitere Beiträge von anderen Autoren zum Thema #coronaeltern

Gerne verlinke ich deinen Beitrag. Schreib mir einen Kommentar. Ich freue mich, wenn du auch meinen Artikel verlinkst.

Teile diesen Beitrag!

Hi, ich bin Regina und bin gern unterwegs. Bei uns zu Hause und in der ganzen Welt. Inzwischen sind bei unseren Ausflügen und Reisen zwei Kinder mit dabei. Auf dastoa schreibe ich meine Erfahrungen, Empfehlungen und Reisetipps sowie über den alltäglichen Familienwahnsinn.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.