Heute widme ich mich auf meinem Blog mal einem wissenschaftlichen Thema, der Strahlenbelastung bei einem Flug. Wenn wir zwei mal im Jahr mit der Familie ins Flugzeug steigen und auf Reisen gehen, sind wir dann Rabeneltern, weil wir die Kinder einer enormen gesundheitlichen Belastung aussetzen?

 

Hast du dir darüber auch schon Gedanken gemacht, bzw. hat dich schon jemand damit konfrontiert? Auch wenn das Bauchgefühl sagt, das ein paar Flüge im Jahr nicht wirklich eine Gefahr darstellen können, bist du dir dann sicher, dass das auch für deine Kinder gilt? Zurück bleibt ein ungutes Gefühl und keine wirklichen Argumente, ob die Strahlenbelastung bei einem Flug nun wirklich ein Gesundheitsrisiko darstellt oder nicht.

 

Warum gibt es eine erhöhte Strahlenbelastung beim Flug?

Was viele gar nicht wissen. Wir sind täglich einer natürlichen Strahlenbelastung auf der Erdoberfläche ausgesetzt. Die Strahlung der Erdkruste und des Gesteins nehmen davon den größten Anteil ein.

Ein weiterer Anteil der Strahlung kommt aus dem Weltall. Der Großteil davon wird allerdings durch die Erdatmosphäre abgehalten. Allgemein kann man sagen, je höher wir uns aufhalten, umso mehr Strahlung sind wir ausgesetzt. Als Passagier im Flugzeug ist man also höherer Strahlung als auf der Erdoberfläche ausgesetzt.

 

 

Mein Mann war gerade dabei, eine Strahlenschutz-Schulung vorzubereiten und hat dabei einige der wesentlichen Themen, die sich auch auf die Strahlenbelastung bei einem Flug beziehen, erarbeitet. Die ergänzte Zusammenfassung möchte ich dir hier so einfach und kurz wie möglich zur Verfügung stellen. Ein grundlegendes physikalisches Verständnis vorausgesetzt, solltest du mit diesem Artikel eine Grundlage für deine persönliche Entscheidung haben, wieviele Flüge du für dich und dein Kind für in Ordnung befindest.

Vorab: Die Angaben auf die ich mich hier beziehe habe ich mir nicht aus den Fingern gesaugt, sondern sind alle aus den unten angegebenen Quellen. Dieser Artikel ist als Zusammenfassung zum Thema Strahlenbelastung bei Flügen gedacht. Er richtet sich an alle, die einfach einen ersten Überblick zu diesem Thema erhalten möchten. Wer tiefer in die Materie einsteigen möchte, muss das unbedingt mit Fachliteratur machen, bzw. sich die Quellen zu diesem Artikel im Detail durchlesen.

 

 

Strahlenbelastung – was bedeutet das eigentlich?

Ein paar physikalische Grundlagen vorweg

Die effektive Strahlungsdosis wird in der Einheit Sievert (Sv) gemessen. In Deutschland sind wir im Mittel jährlich laut dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) einer effektiven Dosis von 2,1 Millisievert (mSv) ausgesetzt. Je nachdem, wo wir wohnen, wie wir leben und uns ernähren variiert dieser Wert zwischen 1 und 10 mSv pro Jahr.

Das BfS hat eine deutschlandweite Übersicht von verteilten Messwerten der Strahlenbelastung.

 

Wie reagiert unser Körper auf Strahlenbelastung?

Die Reaktion des Körpers auf erhöhte Strahlenbelastung (in einem bestimmten Rahmen) ist nicht konkret vorherzusagen. Das heißt, man kann nicht pauschal über alle Fälle sagen, wenn du im Jahr einer zusätzlichen Belastung von 100 mSv ausgesetzt bist, dann bekommst du Krebs.

Was man allerdings sagen kann ist, dass mit erhöhter Strahlenbelastung auch die Wahrscheinlichkeit einer ernsthaften Erkrankung steigt und damit auch das Risiko.

 

Was passiert im Körper bei Strahlenbelastung?

Problem für den Körper stellt die sogenannte ionisierende Strahlung dar. Vereinfacht gesagt kann diese ionisierende Strahlung zu Veränderungen auf Atomebene führen. Sie kann auch Elektronen aus Atomhüllen heraus schlagen und dadurch einzelne Moleküle im Körper verändern. Diese werden dann Radikale genannt. Passiert dies nur in Einzelfällen, ist das für den Körper nicht weiter tragisch. Damit kann er umgehen.

Je höher die ionisierende Strahlung ist, derer der Körper ausgesetzt wird, umso mehr Radikale entstehen und lösen unkontrollierte chemische Reaktionen aus. Die Folgen können unterschiedlich sein:

  • bei sehr großen Schäden stirbt die Zelle
  • Erbgutveränderungen können sich durch Zellteilungen vervielfachen
  • Wichtige Enzyme können betroffen sein
  • Zellbausteine können zerstört werden

Das Risiko für eine Krebserkrankung steigt, umso größer die verursachten Schäden an der DNA sind.

 

Nochmal zurück zur Risikobetrachtung

Stellen wir uns die Strahlung als Teilchen vor, die den Körper passieren. Sagen wir mal pro Sekunde ein Teilchen (einfach zum bessern Verständnis). Sie kollidiert mit einem körpereigenen Teilchen und gibt dadurch Energie an den Körper ab. In den meisten Fällen ist das kein Problem. Je größer die Belastung dieser Art ist, desto größer ist auch die Wahrscheinlichkeit einer folgenschweren Auswirkung auf den Körper.

 

Grenz- und Vergleichswerte

Grenzwerte im eigentlichen Sinn für Privatpersonen gibt es an dieser Stelle nicht. Auf einer Seite des Bundesamt für Strahlenschutz -> ODL Info (Radioaktivität in Deutschland) gibt es allerdings ein paar Vergleichs- bzw. Anhaltswerte.

 

Wert in µSv

pro Jahr

Wert in mSv

pro Jahr

prozentuale Erhöhung
des durchschnittlichen
Jahreswerts (2,1 mSv)
in DE 
Rauchen8000,838%
2 Paranüsse pro Tag1600,16 7,6%
Röntgenaufnahme Brustkorb200,02 0,95%
Ganzkörper CT150015 714%
Wohnen in einem Lehmhaus4604,6219%

 

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht bei 3,0 mSv durch Atemluft einen Schwellwert. Ab diesem Wert werden Maßnahmen zur Senkung der Strahlenbelastung empfohlenen, da sonst das Lungenkrebs Risiko erhöht wird. Das bezieht sich vor allem auf den letzten Punkt der Tabelle, das Wohnen in einem kompletten Lehmhaus, da hier die erhöhten Werte über die Atemluft aufgenommen werden.

Soweit zu den „Grundlagen“

Aber eigentlich war ja die Eingangsfrage, wie groß die Gefahr der Strahlenbelastung bei einem Flug ist.

Wie hoch ist die Strahlenbelastung bei einem Flug?

Wird man tatsächlich krank durch’s Fliegen? Wie sieht’s mit der Strahlenbelastung beim Fliegen tatsächlich aus?

Wie hoch ist die Strahlenbelastung bei einem Flug?

Einen Pauschalwert gibt es natürlich nicht. Würde auch keinen Sinn ergeben. Die Strahlenbelastung eines Fluges hängt von mehreren Faktoren ab, wie zum Beispiel Flugdauer, Flughöhe, Route….

Das Bundesamt für Strahlenschutz hat eine Tabelle mit ausgewählten Flugstrecken veröffentlicht und gibt dazu die Strahlenbelastung an. In der folgenden Tabelle habe ich die arithmetischen Mittelwerte des Angabenbereichs verwendet. Die Schwankungen der Originaltabelle liegen laut BfS an Sonnenzyklus und Flughöhe. Zusätzlich habe ich hier noch die prozentuale Erhöhung angegeben, die ein Flug (einfache / doppelte Strecke) im Jahr auf den jährlichen Durchschnittswert ausmacht.

 

Frankfurt nachWert in µSvWert in mSvprozentuale Erhöhung
des durchschnittlichen
Jahreswerts (2,1 mSv)
in DE bei EINFACHER /
DOPPELTER Strecke
Las Palmas / Gran Canaria140,0140,66% / 1,32%
Johannesburg / Südafrika240,0241,14% / 2,28%
New York / USA540,0542,58% / 5,16%
Rio de Janeiro / Brasilien230,0231,1% / 2,2%
Rom / Italien50,0050,24% / 0,48%
San Francisco / USA780,0783,71% / 7,43%
Santo Domingo (Dom. Rep.)480,0482,29% / 4,58%
Singapur / Singapur390,0391,86% / 3,71%
Tokyo / Japan780,0783,71% / 7,43%

 

Wie du dir wahrscheinlich schon gedacht hast, ist die Strahlenbelastung bei einem Flug bei Kurz- oder Mittelstrecken geringer, als bei Langstreckenflügen. Auf jeden Fall ist sie nachgewiesen und erhöht den durchschnittlichen Jahreswert der Strahlenbelastung, der wir auf der Erde ausgesetzt sind. Bei Vielfliegern kann durchaus ein erheblicher Wert zusammen kommen.

[feature_box style=“12″ only_advanced=“There%20are%20no%20title%20options%20for%20the%20choosen%20style“ alignment=“center“]Laut dem BfS sind einzelne Flüge allerdings auch für Kinder und Schwangere kein Problem.

[/feature_box]

Erkrankungen und Folgeerkrankungen bei Strahlenbelastung

Die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung steigt mit erhöhter Strahlenbelastung, derer man ausgesetzt wird / wurde. Leider kann aber auch kein Minimalwert angegeben werden, unter dem mit Sicherheit eine Folgeerkrankung ausgeschlossen werden kann.

Allgemein sagt uns die Statistik, dass von 100 Personen bei 30 eine Krebs- oder Leukämierkrankung auftritt. Bei Personen, die bereits einer Strahlenbelastung von 100 mSv ausgesetzt wurden liegt das Risiko um 1% höher (also 31%).

Bei einer akuten Belastung von 500 mSv treten Hautrötungen bei den Betroffenen auf. Bei einer akuten Belastung von 1000 mSv führt dies zu Erbrechen und Übelkeit. (siehe BfS).

Folgeerkrankungen bei Kindern

Sich selber in ein Flugzeug zu setzen und eventuelle Konsequenzen daraus selber tragen zu müssen, ist etwas anderes, als für seine Kinder die Verantwortung zu übernehmen.

Bisher konnte ich lediglich eine vertrauenswürdige Quelle finden, die einen Zusammenhang bei Krebs und Leukämie bei Kindern nachgewiesen hat, aufgrund einer erhöhten Strahlung. Kurzfassung: Ein Team an der Universität in Bern / Schweiz hat mit einer sehr großen Stichprobe gearbeitet (2 Mio Kinder unter 16 Jahren). Wie weiter oben im Bericht schon erwähnt wurde können unterschiedliche Strahlenbelastungen an unterschiedlichen Wohnorten auftreten.

Vereinfacht und zusammen gefasst

Folgende Schlussfolgerung ist aus den Ergebnissen der gerade erwähnten Schweizer Studie der Uni Bern abgeleitet.

[feature_box style=“20″ only_advanced=“There%20are%20no%20title%20options%20for%20the%20choosen%20style“ alignment=“center“]Überträgt man die Ergebnisse der Studie auf Flüge mit Kindern, kann folgendes Ergebnis gefolgert werden. Von 10.000 Kindern, die von Geburt an während ihrer Kindheit jedes Jahr durchschnittlich 7,3 mal nach New York und zurück fliegen, erkranken 4,5 Kinder mehr an Krebs, als das ohne die Flüge der Fall gewesen wäre.

[/feature_box]

 

 

Fazit

Zusammenfassend und abschließend hat mich die Recherche zu dem Artikel mit interessanten Fakten und Informationen bereichert. Nachweislich gibt es erhöhte Strahlenbelastung bei einem Flug. Die Erkenntnis war für mich und ist mit Sicherheit auch für viele Leser nicht neu. Entscheidend ist für mich allerdings der prozentuale Wert, um den ein Flug ungefähr die durchschnittliche Jahres-Strahlenbelastung erhöht.

Um mit den Worten aus dem Risikomanagement zu sprechen, resultiert daraus eine Bedrohung für die Gesundheit. Multipliziert mit der Wahrscheinlichkeit ergibt sich ein Risiko. Dieses Risiko ist höher bei einem Langstreckenflug, als bei einem Kurzstreckenflug und weitaus höher bei zehn Flügen nach New York, als bei einem.

 

Wie groß das Risikoakzeptanzniveau bei jedem einzelnen ist, wird unterschiedlich sein. Der Eine schließt einen Langstreckenflug mit Kindern aufgrund dieses Risikos komplett aus, für den anderen sind drei Flüge pro Jahr akzeptabel.

 

Mein Anliegen mit diesem Bericht ist es, zum Thema Strahlenbelastung Flug ein paar einfach verständliche nachgewiesene Fakten zusammen zu tragen. Aufgrund dessen sollst du für dich selber entscheiden, wie oft und weit du und eventuell mit deiner Familie fliegen wirst.

 

Deine Meinung interessiert mich!

Hat der Faktor Strahlenbelastung auf einem Flug eine Relevanz für die Entscheidung, ob du fliegst oder nicht?

 

Wenn du dich noch weiter zu dem Thema informieren und einlesen möchtest, stelle ich dir hier meine Quellen zur Verfügung.

 

Quellen

(Zugriff 15. – 17.04.17):

http://www.focus.de/panorama/welt/tsunami-in-japan/wissenschaftliche-hintergruende/strahlung-unsere-taegliche-dosis_aid_609687.html

http://www.bfs.de/DE/themen/ion/umwelt/natuerliche-strahlenbelastung/natuerliche-strahlenbelastung_node.html

https://odlinfo.bfs.de/DE/themen/was-ist-odl/strahlenbelastung-vergleich.html

http://www.bfs.de/DE/themen/ion/umwelt/luft-boden/flug/flug.html

https://odlinfo.bfs.de/DE/themen/wo-stehen-die-sonden/messstellen-in-deutschland.html

http://www.tagesanzeiger.ch/wissen/medizin-und-psychologie/Natuerliche-Strahlen-erhoehen-Krebsrisiko-bei-Kindern/story/17406590

http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/lehm-oeko-material-erhoeht-radioaktivitaet-in-haeusern-a-828031.html

http://www.fluggastberatung.de/was-sie-ueber-die-strahlenbelastung-im-flugzeug-wissen-sollten/

Foto Pixabay  Hans (Titelbild)

 

Veröffentlicht am Kategorien Reiseplanung, Reisetipps

2 Comments

  1. Arlette 20. April 2017 at 7:21

    Liebe Regina
    Was Strahlung und E-Smog angeht, müssen wir erst gar nicht in die Luft. Jeder weiß, dass Handy’s gesundheitsschädigend sind und doch können wir nicht drauf verzichten.
    Es gibt praktisch keinen Ort mehr, der frei von E-Smog ist! Doch dank der Quantenphysik gibt es Lösungen dafür.
    Schau Dir mal diese Seite an http://www.aberger@i-like.net
    Die Car-Converter werden auch bei Flugzeuge und Kreuzfahrt-Schiffen erfolgreich eingesetzt.
    Dazu gibt es Messungen von verschiedenen Universitäten.
    LG Arlette

    1. Regina 25. Juni 2017 at 20:56

      Liebe Arlette,
      du hast recht, Belastungen in ähnlicher Art sind wir inzwischen an vielen Orten ausgesetzt und wir entscheiden uns meistens aus eigenem Willen und ganz bewusst dazu. Wie du schreibst, wir wollen ja gar nicht mehr auf unsere Handys verzichten 😉

      Mein Anliegen war auch nicht das Fliegen als extrem schädlich darzustellen. Wir als Familie fliegen ja selber mit den Kindern.

      Mir war wichtig mal ein paar Vergleichswerte zu liefern und Fakten einfach verständlich darzustellen. Ich wusste zum Beispiel selber vorher nicht, dass ein Flug nach NY 5% unserer durchschnittlichen jährlichen Strahlenbelastung oben drauf setzt. Ob das für den einen oder anderen nun viel oder wenig ist, wird jeder selber entscheiden. Das werte ich auch nicht. Hier ein Gefühl über die Werte zu liefern war mir ein Anliegen.

      Liebe Grüße
      Regina

Schreibe einen Kommentar!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.