Es durchflutet mich ganz überraschend und ohne Ankündigung! Ein unglaublich sentimentales Gefühl. „Mein Baby wird groß“.

Und plötzlich bist du groß

Diese Momente kann man nicht steuern, sie kommen zu Dir, einfach nur so, einfach mal schnell.

Ein flüchtiger Augenblick, ein Guten-Nacht Kuss, beim Verlassen des Zimmers blicke ich auf Dich zurück. Da liegst Du, in Deinem neuen großen Bett. Stolz, endlich nicht mehr im kleinen Gitterbettchen, sondern im großen tollen Rutschenbett schlafen zu dürfen. Ein wunderbares Gefühl, Deine Freude zu beobachten, aber mit ihm kommt die Wehmut.

Schon drei Jahre! Wann sind die vergangen?

Die Zeit vergeht so schnell. Waren das wirklich schon drei Jahre? Bist Du schon so lange bei uns? Ich kann es manchmal selber gar nicht fassen.

Noch mal drei Jahre und Du bist schon ein Schulkind. Sind Schulkinder eigentlich auch noch so putzig und süß? Ok, manchmal putzig und süß. Dreijährige haben ja durchaus auch andere Seiten, die mich als Mama schier zur Verzweiflung treiben.

Ich freue mich, dich aufwachsen zu sehen

Nicht immer überwiegen bei uns Deine süßen Seiten. Wenn ich so mein Umfeld betrachte, bin ich mir sicher, dass wir (zum Glück) nicht die einzigen sind, bei denen das so ist.

Jeder Entwicklungs- und Wachstumsschritt bringt seine positiven, aber auch weniger netten Nebenwirkungen. Ich liebe es trotzdem (oder umso mehr?), Dich wachsen zu sehen und mitzuerleben, wie Du immer wieder neue Fortschritte machst. Aus stammelnden einzelnen Wörtern sind inzwischen gute und lange Sätze geworden. Inzwischen überrascht Du uns sogar mit Ausdrücken und Wörtern, die wir zu Hause überhaupt nicht verwenden. Aus langsamen wackligen Schritten sind nun sichere Klettereien, Sprünge und schnelle Bewegungen geworden. Wann ist das passiert?

Es ist so toll, immer mehr mit Dir unternehmen zu können. Ich freue mich, endlich wieder klettern zu gehen, zukünftig dann mit Dir. Kleine Wanderungen, Ausflüge, es gibt so vieles, was ich gar nicht erwarten kann, endlich gemeinsam mit Dir zu unternehmen.

Daher war Wehmut darüber, dass Du größer und älter wirst nie ein Thema für mich. Ich genieße das Hier und Jetzt mit Dir und freue mich auf alles Tolle und Aufregende was kommt.

Seit wann bin ich sentimental?

Aber warum bin ich nun plötzlich sentimental und hänge mich an den Moment? Ein Moment und die Angst, die Zeit mit Dir nicht bestens genutzt zu haben? Plötzlich bist Du groß und ich hätte noch so gerne so vieles gemacht mit Dir.

Manchmal sind solche Momente doch auch ganz hilfreich. Sie helfen mir, mein Leben, meine aktuelle Situation noch mal zu hinterfragen. Setze ich die richtigen Prioritäten? Nutze die meine Zeit mit Dir gut genug? Und was ist überhaupt gut genug?

Das Leben – die Situation hinterfragen

Immer mal wieder mein Tun zu hinterfragen kann nicht verkehrt sein. Es hilft mir, mir in ein paar Jahren keine Vorwürfe zu machen. Hätte ich doch mehr Zeit mit Dir und Deiner Schwester verbracht! Hätte ich doch mehr mit euch gespielt, gesungen, gelacht!

Hätte, sollte, könnte bringt keine Minute unserer gemeinsamen Zeit zurück, aber es macht mich mürbe. Das zu verhindern klappt ganz gut, indem ich mich bewusst dazu entscheide, wie viel Zeit ich für euch und andere Dinge im Leben aufbringe, die mir wichtig sind.

Wir werden nicht immer zusammen sein

Wir werden nicht immer zusammen sein. Auch wenn Du heute noch nicht verstehst, warum Du wohl in einigen Jahren lieber mit Deiner Freundin zusammen wohnen willst, als mit Deinen Eltern. Der Tag wird kommen. Wir werden unsere eigenen Leben führen. Du wirst glücklich darüber sein, erwachsen und selbständig zu sein. Ich werde mich freuen, dass wir Dich zu einer selbständigen erwachsenen Persönlichkeit erzogen haben. Aber Du wirst mir auch fehlen. So sehr ich mich darauf freue, endlich wieder einen Ausflug mit Deinem Papa alleine zu machen, genauso sehr weiß ich, dass mir das (manchmal anstrengende) Geplärre auf dem Rücksitz fehlen wird. Die Stille, die ich mir manchmal einfach wünsche, wird mich daran erinnern, dass Du mir fehlst.

 

und plötzlich bist du groß

Es durchflutet mich ganz überraschend und ohne Ankündigung! „Plötzlich bist du groß“. Wann ist das passiert? Warum bin ich so sentimental?

 

Ein glückliches Leben

Ich möchte keiner Minute nachtrauern. Ich möchte keine Minute missen, die wir gemeinsam erleben, aber ich möchte auch zu jeder Stunde mein Leben so genießen, wie es ist. Bloß weil ich nicht sehr oft sentimental bin, heißt es nicht, dass ich das Leben mit Dir nicht genieße, es nicht festhalten möchte. Ich bin glücklich, mehr sogar, als ich mir je erträumt habe in einem Leben mit eigenen Kindern um mich herum. Trotzdem klammere ich mich nicht an den Augenblick, sondern lasse ihn los. Besondere Eindrücke und Augenblicke bleiben mir mein Leben lang im Gedächtnis (und als Bild auf der Digitalkamera).

Ich wünsche mir

  • dass wir immer genügend Zeit füreinander haben.
  • viele qualitativ hochwertige Momente und Erlebnisse anstatt vieler Stunden an „leerer“ Zeit
  • Rückblickend immer sagen zu können, dass wir unsere gemeinsame Zeit bestens genutzt haben

Wann habe ich aufgehört sentimental zu sein?

Ich bin an vielem gehangen, egal ob materiell oder nicht materiell. Ich konnte mich kaum von etwas trennen und bin besonderen Momenten nachgehangen. Dadurch verliert man manchmal den Bezug zu Realität. Man versucht in der Vergangenheit zu leben. Das wirkliche Leben zieht an Dir vorbei. Mit der Bindung an das Materielle müllst du Dir ganz schnell Deinen Lebensraum zu.

Mein Wendepunkt

Irgendwann war klar, dass meine Mama nicht ewig bei uns sein wird. Keiner wusste, wie viel Zeit wir gemeinsam noch haben. Ich habe für mich beschlossen, mir selber nicht vorwerfen zu wollen, wenn sie nicht mehr da ist, dass ich mehr Zeit mit ihr hätte verbringen sollen. Bewusst zu entscheiden, ob ich sie besuche oder ob mir manchmal etwas anderes wichtiger ist.

Dieser Wandel in der Einstellung hat mein Leben positiv verändert. Bis heute habe ich mir nie selber vorgeworfen, dass ich doch mehr Zeit mit meiner Mama hätte verbringen sollen. Obwohl wir kurz vor Ihrem Tod noch vier Wochen auf Reisen waren, mache ich mir deshalb keine Vorwürfe.

Auch materielle Schlussstriche machen das Leben leichter. Nicht alles aus der Vergangenheit muss aufbewahrt werden.

Zufriedenheit und Glücklich sein hängt doch nicht an der Vergangenheit, sondern daran, wie wir das Hier und Jetzt erleben können.

 

Wenn die Kinder klein sind, gib ihnen Wurzeln. Wenn sie groß sind, gib ihnen Flügel.

aus China

Hattest Du einen Wendepunkt? Hängst du sehr an der Vergangenheit?

Wie stehst Du zu Erinnerungen an die Vergangenheit?

Hast Du selber die Befürchtung, in ein paar Jahren festzustellen, dass Du wenig Zeit mit Deinen Kindern verbracht hast? Ich freue mich über einen Kommentar von Dir!